Wie findet man den richtigen Platz für den Gemüse-Anbau in der Stadt?

 

Als ich anfing, mich mit dem Thema: "Selbstversorgung in der Großstadt" auseinanderzusetzen, stellte sich zunächst ein großes Fragezeichen ein bei der Überlegung, an welchem Ort denn wohl das erste Gemüsebeet entstehen sollte.
Zum Glück konnte ich nach einigen Recherchen feststellen, dass sich schon viele Menschen vor mir mit dieser Fragestellung auseinandergesetzt haben und äußerst kreativ waren.

Wird man erstmal auf einige Ideen gebracht, so öffnet sich plötzlich der Blick und man entdeckt überall neue Möglichkeiten. Deswegen für alle Neueinsteiger nun

eine Zusammenstellung von einigen möglichen Plätzen für den Gemüseanbau in der Großstadt:

  1. Balkon oder Terrasse


    Balkon in BerlinWer eines von beidem hat, für den kann die Pflanzenzucht sehr schnell beginnen mit Ausnahme von reinen Nordbalkonen und -terrassen, denn dort könnte es mit der Sonnenlichtausbeute etwas knapp werden. Ansonsten kann man Kräuter und die meisten Gemüsearten ohne Probleme züchten in Balkonkästen oder größeren Behältnissen, die man entweder auf den Boden stellt oder an die Wand hängt. Selbst die Wasserversorgung ist in diesem Fall sehr einfach, da man einfach das Wasser aus dem eigenen Hausanschluss verwenden.
    Sie benötigen also nur noch die nötigen Pflanzgefäße, Erde oder ein beliebiges Pflanzmedium und Samen oder vorgezogene Jungpflanzen des Gemüses Ihrer Wahl.


  2. Fensterbrett


    KräuterkastenDa in der Stadt Balkone und Terrassen vor allem bei den mittlerweile vorherrschenden Single-Apartements nicht vorhanden sind, kann man sich mit Blumenkästen und Töpfen auf der Fensterbank behelfen. Leider fallen auf Grund des Platzmangels in den Pflanzgefäßen einige Gemüsesorten aus dem Angebot heraus, die besonders tiefe Wurzeln bilden, Ihre Früchte unterirdisch entwickeln oder insgesamt einen sehr hohen Nährstoffbedarf aufweisen.
    Ein weiteres Problem für diese Art der Pflanzenzucht sind die oft sehr schmalen und leicht schrägen Fenstersimse. Man kann sich selbst behelfen und tolle Konstruktionen erfinden, um den Platz auf dem Fenstervorsprung zu erweitern, nur sollte man eventuell den Vermieter um Erlaubnis fragen. In der Regel kommt man um das Löcherbohren nicht herum und bei Veränderungen oder sogar Beschädigungen der Außenfassade verstehen manche Hausbesitzer keinen Spaß.


  3. Gemüse vertikal - Wände, Mauern und Fensterleibungen


    Vertikales GemüseDas Gärtnern in der Vertikalen ist eigentlich keine Neuerfindung, sondern schon seit Jahrtausenden bekannt. Der französische Botaniker Patrick Blanc hat mit den sogenannten "Vertikalen Gärten" die Idee wiederentdeckt und weiterentwickelt. Seine begrünten Häuserfassaden sind eine wirkliche Bereicherung in der Gestaltung des Lebensraums: Stadt.
    Tatsächlich lässt sich auch Gemüse und Obst an die Wand bringen. Diese Idee läßt sich verwirklichen, indem man entweder die Pflanzgefäße an der Wand befestigt oder in dem man die Wand selbst mit der Pflanze bewachsen läßt. Dieses geht natürlich mit Kletterpflanzen wie beispielsweise Wein oder Kiwi, mit Spalierobst oder mit sogenannten "hängenden Gärten"


    Weiterführende Informationen zum Thema: Vertikale Gärten finden Sie unter folgendem externen Link:
    --> Vertikaler-Garten.de


  4. Hinterhöfe


    HinterhofgartenSelten sehen die Hinterhöfe in der Großstadt so schön und einladend aus. Normalerweise findet man in ihnen Mülltonnen, Fahrräder und alle möglichen Gegenstände, die vergessen werden sollen. Vorausgesetzt es fällt genügend Sonnenlicht in den Hinterhof, ist er kein schlechter Platz, um Gemüse anzubauen. Die Nachbarn werden vielleicht anfänglich etwas merkwürdig gucken, im Normalfall findet ein grüner und gepflegter Hinterhof jedoch früher oder später immer Anklang. Am einfachsten pflanzt man sein Gemüse in Kisten aus Holz oder auch Plastik, die man einfach auf den Boden stellen kann, denn meistens sind Hinterhöfe komplett gepflastert oder sogar betoniert oder die Böden sind unbrauchbar, weil man nach wenigen Zentimetern des Grabens auf Bauschutt stößt. Wer sich eine Erlaubnis des Vermieters oder der Hausverwaltung holt, ist auf der sicheren Seite. Oft genug interessieren die sich jedoch nicht im geringsten dafür, wenn alles einen ordentlichen Eindruck hinterlässt.


  5. Dachflächen von Wohnhäusern und Garagen


    DachgartenFlachdächer, die einen Zugang zum Dach haben eignen sich ganz besonders gut für eine kleine Gemüsefarm in der Großstadt. Ebenso verhält es sich mit den Dächern von Garageneinheiten. Auch hier empfiehlt sich die Pflanzenzucht in transportablen Kisten. Bedenkenswert ist jedoch die Wasserversorgung der Pflanzen und die Belastung durch den Wind. Zum einen sollten die Pflanzen bei stärkerem Wind natürlich nicht vom Dach fallen und zum anderen muss man größere Gewächse vor Bruchschäden schützen. Da es aber grundsätzlich sinnvoll ist, Blumentöpfe und andere Pflanzgefäße mit einer Drainageschicht am Boden zu versehen, kann man sich diese auch gleich zur Stabilisierung des Topfes zu nutze machen, in dem man kleine Kiesel für die Drainage verwendet. Diese eignen sich wunderbar und vergrößern gleichzeitig das Gewicht des Topfes, so dass er stabiler steht und nicht so leicht umgeweht werden kann.
    Die Wasserversorgung ist auch nicht ganz ohne, denn durch die exponierte Lage des Daches, haben die Pflanzen mit einem sehr extremen Klima zu kämpfen. Dieses ist bestimmt durch hohe Temperaturen, direkte Sonneneinstrahlung und hohe Verdunstung auf Grund des Windes. Die Pflanzen auf einem Flachdach haben also sogar einen erhöhten Bedarf an Wasser. Auf jeden Fall, sollten die Möglichkeiten untersucht werden wie man sich das Regenwasser für die Pflanzenbewäserung nutzbar machen kann, da dieses auch verträglicher ist wie das Wasser aus der Leitung. Trotzdem wird wohl eine zusätzliche Wasserquelle unumgänglich sein.
    Zu guter Letzt muss natürlich noch ein Satz zur Statik des Gebäudes verloren werden. Ziehen Sie sich auf jeden Fall einen Fachmann zu Rate, denn Kisten gefüllt mit nasser Erde können ein ganz schönes Gewicht zusammenbringen und nicht jedes Dach verträgt eine solche zusätzliche Belastung dauerhaft.


  6. Verkehrsinseln und Baumscheiben


    schwimmende GärtenWenn einem gar kein anderer Platz einfällt, dann geht der Gemüseanbau auch dort. Allerdings ist es wohl eher die letzte Wahl, denn die Baumscheiben werden von Hunden bevorzugt als "stilles Örtchen" benutzt oder von unachtsamen Mitmenschen als Fahrradabstellplatz und sowohl Baumscheiben als auch Verkehrsinseln haben dauerhaft die direkte Bedampfung mit Auto-Abgasen als Problem. Es ist also fraglich, ob man an diesen Plätzen wirklich Gemüse und Kräuter für den Verzehr anbauen sollte. Ohne Frage ist aber eine Bewirtschaftung dieser Flächen eine Bereicherung für das Stadtbild, denn eine gepflegte und vielleicht sogar bunt blühende Fläche ist allemal besser als ein verdreckter Müllabladeplatz.
    Bei der Nutzung dieser Flächen kämpft man meistens mit schlechtem, verdrecktem und verdichtetem Boden und natürlich der Konkurrenz durch den Baum, an dessen Fuße man seinen Garten anlegen will. Durch ihn entsteht nicht nur Wasser-und Nährstoffkonkurrenz, sondern auch eine starke Schattierung. Beides zusammen macht den Gemüseanbau ebenfalls sehr schwierig.
    Deutlich besser geeignet sind zum Beispiel die großen Verkehrsinseln der Kreisverkehre, die oftmals garnicht gestaltet werden und doch eine viel größere Fläche bieten. Hier stellt sich allerdings das Problem, der Bewässerung und der Zugang ist sehr erschwert bei großem Verkehrsaufkommen. ebenfalls also nicht wirklich ideal.
    Großartig ist allerdings die Idee der schwimmenden Gärten wie man sie auf dem Bild erkennen kann. Auf den Grachten und Kanälen von Amsterdam und Kopenhagen, kann man häufig Bepflanzungen von Schiffen und Flößen entdecken. Man kann wiederum bepflanzte Kisten auf das Wasser auslagern oder sogar die Pflanzen im Wasser züchten. Die Idee der Hydroponik ist tatsächlich schon viele Jahrhunderte alt und durchaus bewährt. Gewässer finden sich auch in vielen Städten und in den Jahrzehnten wurde viel getan für die Verbesserung der Wasserqualität, so dass man in einigen auch schon unbedenklich Gemüse oder Kräuter anbauen könnte ohne Angst vor eingelagerten Schadstoffen haben zu müssen. Informationen über die Qualität des Wassers kann man beim Wasserwirtschaftsamt der Stadt erfragen. Ansonsten ist die hydroponische Pflanzenzucht sehr praktisch, da man sich nur eine Konstruktion bauen muss, die schwimmt und die den Pflanzen Halt gibt. Ansonsten benötigt man weder Erde noch hat man ein Bewässerungsproblem. Die Pflanzen müssen allerdings schon unter hydroponischen Bedingungen vorgezogen werden, da sich die Wurzeln nur schwer umstellen, sollten sie in Erde vorgezogen worden sein.


    Weiterführende Informationen zum Thema: "Hydroponische Pflanzenzucht" finden Sie unter folgendem externen Link:
    --> Hydroponische-Pflanzenzucht.de


  7. Brachliegende Grundstücke


    Berliner HinterhofErstaunlicherweise gibt es vor allem in den großen Metropolen immer wieder unbebaute und brachliegende Grundstücke, die einfach verwildern. Findet man ein solches in der Nachbarschaft, so ist es ein idealer Ort für den Gemüsegarten. Oft sind in der Nähe von Bahngleisen solche Brachflächen zu finden, die dann auch Eigentum der Bahn sind. Der korrekte Weg ist natürlich die Kontaktaufnahme mit dem Eigentümer. Manchmal stellt sich dieses Unterfangen allerdings als äußerst schwierig heraus, da die Besitzverhältnisse ungeklärt sind oder die Erben nicht in Deutschland wohnhaft sind. In so einem Fall ist wieder die Bepflanzung in Kisten angebracht, die man auf dem Grundstück aufstellt. Sollte sich doch einmal jemand darüber beschweren, so lassen sie sich und ihre kostbare Fracht relativ einfach wegtransportieren, so dass kein Schaden am Grundstück entsteht.
    Ein Problem ist natürlich wiedermal die Bewässerung. Leider ist das Gemüse auch nicht sicher vor Beschädigung und Diebstahl. Der bessere Weg ist also sicherlich die Auseinandersetzung mit dem Eigentümer. Erklären Sie ganz detailliert, was Sie sich vorstellen und wie Sie Ihre Idee umsetzen wollen. Möglicherweise können Sie sogar eine Nutzung der Wasserleitung gegen Unkostenbeitrag vereinbaren.
    Achtung: Wenn Sie Ihre Pflanzen tatsächlich vor Ort in die Erde setzen wollen, so sollten Sie zuvor den Boden analysieren lassen. Nicht selten finden sich auf solchen Grundstücken verseuchte Böden, in denen unterschiedlichste Schadstoffe gespeichert sein könnten, die über die Pflanze in die Nahrungskette gelangen würden.


  8. Stadtteilgärten oder Interkulturelle Gärten


    GemüsebeetGerade wenn man noch Neuling im Gartenbau ist, empfiehlt sich die Beteiligung an einem schon vorhandenen Stadtteilgarten oder einem sogenannten Interkulturellem Garten. Die Vorteile sind zahlreich, denn der Garten besteht schon oder ist zumindest im Aufbau, man kann die gegebenen Strukturen mitnutzen wie Wasseranschluß, Geräte, etc., man kann jederzeit Hilfe und Tipps erfragen und lernt nebenbei noch interessante und nette Leute kennen. Zum Glück entstehen immer mehr dieser Projekte in den deutschen Städten oder sind in der Entwicklungsphase. Die Idee ist großartig, denn auf diese Art und Weise kommt der Einzelne nicht nur zu seinem selbst angebauten Gemüse, sondern nimmt Teil am gesellschaftlichen, sozialem, kulturellem und ökologischen Leben seines Stadtteils. Ganz nebenbei sehen diese Gärten nicht nur nett aus, sondern sie verbessern das Stadtklima nachweislich. Über die Webseite Urbanacker.net können Sie herausfinden, ob es in Ihrer Nähe schon ein solches Projekt gibt oder wie sich eines ins Leben rufen läßt. Die Seite bietet unglaublich viele Informationen zu diesem Thema und ist sehr inspirierend, wenn man Gemüsebauer in der Großstadt werden will.


  9. Schrebergärten und Kleingartenvereine


    TomatenhausIn Deutschland entstanden diese Projekte im 19.Jahrhundert als Angebot an die Bevölkerung, für wenig Geld Land zu pachten, um eigenes und damit billiges Gemüse anbauen zu können. So finden sich Schrebergärten bis heute in vielen großen Städten und können erworben werden, wenn der Vorbesitzer ihn aufgibt. Abgesehen vom beschränkten Angebot solcher Gärten, muss man sich den Satzungen des Vereins unterwerfen, die vorgeben welche Pflanzen in welchem Maße angebaut werden sollten. Jeder bewirtschaftet zwar seinen privaten Bereich, doch existiert auch hier eine Gemeinschaft aus Gleichgesinnten. Natürlich ist ein solcher Garten ebenfalls eine sehr gute Möglichkeit, um den täglichen Bedarf an Gemüse zu decken, es ist nur oft gar nicht einfach einen solchen Schrebergarten zu ergattern und man muss sich mit den oftmals schon lange existierenden Strukturen auseinandersetzen.


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