Fruchtwechsel mit Hilfe des Modells: Vierfelderwirtschaft

 

Wenn man sein Gemüse so biologisch und natürlich wie möglich anbauen möchte, dann sollte man sich ein Konzept überlegen wie sich dieses Vorhaben auch über Jahre verwirklichen lässt.
Geht man von einem kleinen Gemüsegarten aus, so ist einfach kein Platz vorhanden, der es erlauben würde, immer wieder den Standort für die Beete zu wechseln und dem Boden auf diese Art und Weise Zeit zu geben, sich wieder zu regenerieren. Deswegen ist im Vorwege eine genaue Planung für die Bepflanzung des Gemüsegartens notwendig, wenn man auf lange Sicht hin keine invasiven Pflanzenschutzmittel einsetzen und auf starke Düngung verzichten möchte.

Gemüsebeet

Die Vierfelderwirtschaft

Das Modell "Vierfelderwirtschaft" blickt auf eine lange Geschichte zurück. Schon in der Antike erkannten die Bauern durch Beobachtung der Natur und ihrer eigenen Felder, dass es nicht gut ist, Jahr für Jahr die gleichen Nutzpflanzen an den gleichen Ort zu Pflanzen. Diese Form des Anbaus nennt sich heute Monokultur und wurde vor allem im letzten Jahrhundert weltweit in der Landwirtschaft betrieben. Die Folge dieser einseitigen Landwirtschaft, ist das sogenannte "Ermüden" des Bodens. Ein und die selbe Pflanzenart laugt auf die Dauer den Boden aus, da sie ihm bestimmte Nährstoffe vermehrt entzieht. Fügt man diese nicht andauernd künstlich mit Hilfe von organischen und mineralischen Düngern hinzu, so werden die Pflanzen auf diesem Feld mit den Jahren immer kleiner und schwächer ausfallen, weil sie nicht mehr ausreichend mit den notwendigen Nährstoffen versorgt werden. Damit einhergehend schrumpfen die Erträge.

Ein weiteres Problem der Monokultur, ist die deutliche Vermehrung von Schädlingen und Krankheiten, die spezialisiert sind auf die angebaute Pflanzenart. Oftmals Ziehen sich diese Schädlinge während des Winters in den Boden zurück und greifen dann im Folgejahr vermehrt an. In so einem Fall lässt sich die Plage nur mit Pestiziden bekämpfen oder mit Hilfe des Fruchtwechsels. Baut man im Folgejahr die spezielle Pflanzenart nicht mehr an der Stelle an, so verhungern sie mit der Zeit und verschwinden wieder.

Ob das Wissen in der Antike schon so detailliert war, ist nicht bekannt. Man erkannte aber sehr wohl, dass die Erträge in der Landwirtschaft höher sind und bleiben, wenn man seinen Grund in zwei Hälften teilt und diese jedes Jahr abwechselnd bearbeitet beziehungsweise Brach liegen lässt, damit sich der Boden immer wieder regenerieren kann.
Später im Mittelalter ging man schon über zur Dreifelderwirtschaft. Ein Drittel des landwirtschaftlich genutzten Grunds wurde mit einer frühen Sorte, dem Wintergetreide, bepflanzt und ein Drittel mit einer späteren Sorte, dem Sommergetreide. Das letzte Drittel blieb Brach liegen und wurde häufig während dieser Zeit als Viehweide genutzt. Jedes Jahr wechselte sich die Reihenfolge auf den drei Feldern ab.

Bei der Vier-Felder-Wirtschaft teilt man den vorhandenen Grund in vier gleichgroße Teile. Ein Viertel bleibt ein Jahr Brach liegen oder wird mit Gründüngung bepflanzt, die den Boden mit Stickstoff und anderen organischen Bestandteilen anreichert. Für die restlichen drei Viertel der Fläche gibt es zwei unterschiedliche mögliche Aufteilungen. Zum einen die klassische Verteilung der Gemüsearten nach ihrem Stickstoffverbrauch ( siehe hierzu den Artikel: Die Stickstoffansprüche der Gemüsearten) oder die Einteilung in ein Viertel mit Gemüse mit hohem Nährstoffverbrauch wie beispielsweise Kohlarten und Kartoffeln, eines mit Gemüse mit weniger Nährstoffverbrauch wie Salat, Erbsen oder Buschbohnen und eines mit Dauerkultur wie Spargel, Rhabarber, Erdbeeren und ausdauernden Kräutern wie Zitronenmelisse, Estragon oder Liebstöckel.

Egal, welche der beiden Formen in Frage kommt, natürlich gibt es noch einen Haken an der Sache, der die Planung deutlich erschwert: Man sollte möglichst dringend vermeiden, dass Pflanzen, die derselben Pflanzenfamilie angehören, im folgenden Jahr an gleiche Stelle gepflanzt werden. Ganz besonders gilt dieses für die Familie der Kreuzblütler (Brassicaceae) und der Gänsefußgewächse (Chenopodiaceae). Die Kreuzblütler sind eine Familie, die von einigen hartnäckigen Schädlingen sowie mit einem sehr ausdauernden Pilzkrankheitserreger (die Kohlhernie) geplagt wird. Einzigste biologisch vertretbare Prophylaxe gegen diesen Befall ist eine weite Fruchtfolge, da alle Pflanzen dieser Familie von ihnen befallen werden können und dann zur Ausbreitung der Plage automatisch beitragen.
Die Gänsefußgewächse hingegen sind selbstunverträglich. Dies bedeutet, dass die Pflanze an ihren Wurzeln Stoffe abgibt, die verhindern, dass sich eine Pflanze der gleichen Familie in nächster Zeit an diesem Platz wohlfühlen wird. Daher ist bei dem Konzept der Vierfelderwirtschaft der Fruchtwechsel zwischen den Pflanzenfamilien wichtiger wie die Fruchtfolge nach den Nährstoffansprüchen.

Für alle die Menschen, die ihr Gemüse auf Grund von Platzmangel auf Balkon oder Terrasse anbauen müssen, fällt die Idee der Vierfelderwirtschaft natürlich ins Wasser. Bei wenig Platz kommt allerdings das System der Mischkultur zum Tragen, das man ebenfalls zusätzlich in den Anbauplan der Vierfelderwirtschaft einbringen kann. Nähere Informationen finden Sie hier auf der Unterseite.

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